Stellungnahme der Urania zur Veranstaltung des Fördervereins des Peter Singer-Preises

25. Mai 2015

Erklärung der Urania Berlin zur Veranstaltung des Fördervereins des Peter-Singer Preises für Strategien zur Tierleidminderung am 26.05. 2015

Die Urania Berlin nimmt die große Zahl von Anfragen und Protesten zum Anlass zu einer Stellungnahme zur obigen Veranstaltung:

Diese Veranstaltung ist kein Programmangebot der Urania Berlin, sondern eine Gast-veranstaltung des Fördervereins des Peter-Singer Preises für Strategien zur Tierleid-minderung. Thema sind die Verdienste Peter Singers auf dem Gebiet des Tierschut-zes. Angesichts der Proteste zu Singers Meinungen zum menschlichen Leben, tritt dieses Thema leider in den Hintergrund.


Die Urania teilt nicht die moralphilosophischen Ansichten und Folgerungen Peter Sin-gers, wird aber – als Haus der Argumente und nicht der Transparente – auch nicht die Äußerung philosophischer Ansichten einschränken, die in der breiten Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden und wichtige gesellschaftliche Probleme thematisieren.


Die Urania als gemeinnütziger Verein mit dem Ziel Wissen, neue Erkenntnisse und Einsichten einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, hält die Meinungsfreiheit für ein hohes Gut, das nur außer Kraft gesetzt werden kann, wenn zu strafrechtlichen Hand-lungen aufgerufen wird oder Meinungen vertreten werden, die den Gesetzen unseres Landes in Geist und Buchstaben widersprechen und dies juristisch festgestellt ist. Trotz der zahlreichen Protestbekundungen gegen die Veranstaltung mit Peter Singer können wir einen solchen Sachverhalt nicht erkennen. Insofern ist für die Urania kein Anlass gegeben die obige Veranstaltung eigeninitiativ abzusagen.


Die in einigen öffentlichen Medien und in Internetforen erhobenen Vorwürfe gegen Pe-ter Singer, die sich vom Nazivorwurf bis hin zum Vorwurf, er wolle Säuglinge töten las-sen, erstrecken, sowie die Stellungnahmen von diversen Behindertenbeauftragten von Parteien und Institutionen, die fordern, dass dieser Mann in Deutschland nicht re-den darf, zeigen, dass ausgerechnet für diejenigen, die für eine gute und hoch schüt-zenswerte Sache streiten, und Anstand und demokratische Kultur für sich selbst vo-raussetzungslos beanspruchen, demokratische Kultur bei Meinungen, die von der ihri-gen abweichen, nicht im Vordergrund steht. Stattdessen wird die Urania als Komplizin der Positionen Peter Singers diffamiert und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Ura-nia werden u.A. als „Faschisten“ beschimpft. Die Drohungen, die dabei in unterschied-lichen Kontexten ausgesprochen wurden, reichen vom Zerschlagen der Veranstaltung bis hin zur Forderung Peter Singer „an die Wand zu stellen“.


Die Urania wird die Veranstaltung ermöglichen, aber aus Sicherheitsgründen als ge-schlossene Veranstaltung für angemeldete Gäste und akkreditierte Medienvertreter durchführen. Die ernsten und komplizierten Themen von Tierschutz bis Sterbehilfe – auch bei Kindern - werden wir in unserem Urania Programm selbst aufgreifen und mit Experten und der breiten Öffentlichkeit diskutieren.


Dr. Ulrich Bleyer
Direktor
Urania Berlin
Tel: +49(0)30 2189091
Mail: ubleyer@urania-berlin.de
Net: www.urania.de